Autobahnkirche „Christophorus“

Autobahnkirche „Christophorus“

Direkt an der Autobahn, neben der „Tank- und Raststätte Zweidorfer Holz Nord“, ist Anfang Mai 2005 die Autobahnkirche „Christophorus“ gebaut worden. Nur einen Monat, vom 16. Mai ( 2. Pfingsttag ) bis zum 16. Juni  sollte sie dort stehen und den Autofahrerinnen und Autofahrern  Rast ermöglichen, bzw. Nahrung für die Seele geben. Rund um die Uhr haben sich Menschen in dieser „flüchtigen“ Kirche  aufhalten können. Sie bleibt noch bis Ende August 2005 dort.

 

Internet-Besuche auf dieser Website bisher!

WEBCounter by GOWEB

Am Anfang war die Reise. 

Bevor der Mensch sesshaft wurde, streifte er als Nomade über diese Erde. 

So ist die Sehnsucht, sich immer wieder aufzumachen zu neuen Ufern, tief verwurzelt im kollektiven Unbewussten der Menschheit.

Die Gegenwart lässt zu viele Wünsche und Träume offen. 

Deshalb brechen wir auf, um der Enge unseres Alltags zu entgehen. 

Wir suchen in der Ferne das Glück bzw. unsere unbekannte Heimat - wir suchen das himmlische Jerusalem oder auch die blaue Blume der Wandervögel.

 

Im Mittelalter waren es die Wallfahrer, die dieser Sehnsucht sichtbaren Ausdruck gaben. Getrieben von tiefer Frömmigkeit nahmen sie für uns unvorstellbare Strapazen und Entbehrungen auf sich, um dem Heil ihrer Seele bzw. dem Paradies Gottes ein Stück näher zu kommen. 

Gerade weil aber das Risiko des Reisens so außerordentlich groß war, entwickelte sich schon früh ein besonderes Ethos: Die Schutzlosigkeit des Pilgers durfte unter keinen Umständen ausgenutzt werden. Schon Jesus hatte dazu aufgerufen, Fremde aufzunehmen und Hungrige zu speisen. 

Dieses Gebot der Gastfreundschaft besaß ein hohen Stellenwert: "Seid gastfrei untereinander ohne Murren und dient einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat.' (l.  Petr. 4,9ff).

 

Der Reisende des 21. Jahrhunderts unterscheidet sich nur unwesentlich von seinen Vorfahren, den Nomaden und Pilgern. 

Durch das Auto ist er allerdings in der Lage, wesentlich bequemer große Strecken schnell zurückzulegen. 

Und durch den relativen Wohlstand in unserem Land ist das Reisen inzwischen zu einem Massenphänomen geworden. 

Vieles gerät dabei aus den Fugen.

Eine Autobahnkirche - ein Haus der Besinnung - könnte dieser modernen Reisen wieder zu einem menschlichen Gesicht verhelfen.

Nicht nur das Auto braucht ab und zu Pflege und neuen Kraftstoff, nicht nur der Bauch des Menschen braucht ab und zu Nahrung und Getränk. Auch die Seele braucht Ruhepausen - oder vielleicht auch nur die Zeit, um den eilig Reisenden hinterher zufliegen.

 

In diesen Ruhepausen für die Seele könnten schließlich sich auch jene Wandlungen ereignen, die für die früheren Wallfahrten charakteristisch waren: Aus Fröhlichkeit kann ausstrahlende Dankbarkeit werden, aus Trauer kann Hoffnung und Zuversicht wachsen und Wut und Hass können einer neuen Nachdenklichkeit weichen.

"Gastfrei zu sein vergesst nicht; denn dadurch haben einige, ohne es zu wissen, Engel aufgenommen." (Hebr. 13,2)

 

An unserem Ort Wendeburg-Zweidorf fahren jeden Tag rund fast 1 00.000 Reisende auf der Autobahn vorbei. 

Es wird wohl höchste Zeit, sich hier an das alte Gebot der Gastfreundschaft zu erinnern. Mit der Autobahnkirche wollen wir ein Haus errichten, dessen Türen stets einladend offen stehen. 

Als Haus Gottes soll es ein Ort der Menschlichkeit werden - ein Ort, wo vielleicht nur für einen kurzen Augenblick Heimweh und Fernweh sich aufheben und Heimat entsteht.