Autobahnkirche „Christophorus“

Geschichten (2. von 3 )

Infolge des zunehmenden Handelsverkehrs, unterstützt durch die Motorisierung, mussten viele Straßen bedarfsgerecht hergestellt werden. In den 1920er Jahren war auf den Straßen viel Verkehr zu Fuß (= auf „Schusters Rappen“), auf Fahrrädern und als von Pferden gezogene Wagen und Kutschen auf den Straßen unterwegs, aber bereits damals wurde der Ruf nach „Automobil-Fahrstraßen“ laut, um den Verkehr zu entzerren. Schon 1921 war in Berlin die private „Automobil-, Verkehrs- und Uebungs-Straße“ (= AVUS, heute: Autobahn A 115) fertig gestellt. Die erste „Kraftwagenstraße“ konnte Dr. Konrad Adenauer, damals Oberbürgermeister von Köln, im August 1932 für den Verkehr zwischen Köln und Bonn freigeben.

Nach zunächst weit reichenden privaten Überlegungen übernahm der Staat mit dem „Gesetz über die Errichtung eines Unternehmens „Reichsautobahnen“ vom 27.06.1933“ die Planung und die Verwirklichung. Mit großem Propaganda-Aufwand wurde nur wenige Monate später, am 21.03.1934, an mehreren Stellen im Deutschen Reich mit dem Autobahnbau begonnen. Dieses Datum war bewusst ausgewählt worden, denn genau ein Jahr zuvor hatte der Reichstag in der Garnisonkirche von Potsdam getagt (daher: „Tag von Potsdam“ - das Reichstagsgebäude war am 28.02.1933 ausgebrannt) und dem Ermächtigungsgesetz zugestimmt. Viele Vorgaben der demokratischen „Weimarer Verfassung“ wurden damit außer Kraft gesetzt. Außerdem vermittelte der 21.03. als Frühlingsanfang eine angenehme Aufbruchstimmung.

Auch hier, an der heutigen A2 - wenige hundert Meter östlich der Autobahnraststätte „Zweidorfer Holz“, fand ein feierlich gestalteter „erster Spatenstich“ statt. Die aus Birkenstämmen errichtete Rednertribüne befand sich genau an der Stelle, wo die Autobahn über die Kreisstraße Wendeburg-Rüper führt. Die Ansprachen von den Vertreten der Obrigkeit wurden von vielen Menschen gern wahrgenommen, denn das Bauvorhaben - begonnen in einer Zeit mit großer Arbeitslosigkeit - brachte nun viele Arbeitsplätze und damit bessere Einkommensverhältnisse.

Festlicher Arbeitsbeginn, einer hatte seinen Spaten mit Blumen geschmückt. 1500 Mann waren in diesem Mittwoch Morgen angetreten um anschließend mit Spaten oder Schaufel im wahrsten Sinne des Wortes „Hand“ anzulegen bei diesem großen Bauvorhaben. Maschinelle Unterstützung bei den Erdbewegungen gab es lediglich durch Lorenbahnen. Auch der Rüper Berg verlor seine 94,5 m hohe Kuppe und den östlichen Teil. Der gewonnene Kies diente, ebenso wie der Aushub von der Unterführung der Straße Wendeburg-Rüper, zum Aufschütten des Dammes durch die Aueniederung.

Trotz der „von oben her“ verfügten Trassenführung, war es den örtlich Verantwortlichen gelungen, die historische Reiterlinde (als Naturdenkmal) in der Feldmark Wendeburg zu erhalten, die Autobahn wurde etwas nach Norden verlegt und die Straßenunterführung Wendeburg-Rüper nach Westen. Nur etwa zehn Jahre später führten Blitzschlag und Sturmeinwirkungen zum Totalschaden an der Linde. Am 01.05.1960 wurde an der historische Stelle eine neue Linde gepflanzt, sie blieb auch durch die inzwischen vorgenommenen Autobahnverbreiterungsarbeiten in ihrem Wachstum unbeeinträchtigt.

Die maschinelle Unterstützung bei den „Kunstbauwerken“ (= Brücken und Grabendurchlässen) sowie bei den Fahrbahnen hielt sich auch in engen Grenzen, lediglich Betonmischer waren vor Ort im Einsatz. Für Transportarbeiten diente die bereits genannte Lorenbahn, der fachgerechte Einbau des Betons geschah in Handarbeit.

Nach rund zwei Jahren harter körperlicher Arbeit war in diesem Abschnitt das  Werk vollendet. Am Sonntag, 05.04.1936, konnte der hiesige Autobahnabschnitt für den Verkehr freigegeben werden. Die 32 km lange Strecke von Braunschweig-West, heute: BS-Watenbüttel an der an der B214, bis Lehrte war als dritte Autobahnstrecke im Deutschen Reich vollendet. Am 17.08.1936 erfolgte die Freigabe der angrenzenden Strecken, westlich bis Hannover und östlich bis Helmstedt, und auch der 85 km langen Strecke von Magdeburg/Burg bis zum Berliner Ring sowie ein Teilstück desselben. Hintergrund für diesen Termin war der Beginn der Olympischen Spiele in Berlin, am 20.08.1936. Die Zufahrt nach Berlin erfolgte zunächst von der Abfahrt Werder und durch Potsdam. Das Zwischenstück von Helmstedt bis Magdeburg/Burg einschließlich der Brücke über die Elbe war am 10.01.1937 fertig erstellt. Erst ab 1940 stand bei Berlin die durchgehende Strecke über die Autobahndreiecke Werder, Potsdam und Drewitz einschließlich des AVUS-Zubringers für den Verkehr zur Verfügung. Die Strecke von Hannover bis ins Ruhrgebiet war ebenfalls ab 1940 durchgehend fertig gestellt.

Im zweiten Weltkrieg (1939-1945) kamen schließlich auch die Arbeiten an den vielen Autobahnbaustellen zum Erliegen. Am Kriegsende wurden für Verteidigungszwecke viele Brücken von deutschen Truppen gesprengt, so auch die Brücke über die Elbe. Zeitweise fand an der Stelle dann Fährverkehr statt, bis schließlich eine provisorische Brücke (mit einer Fahrspur für jede Richtung) errichtet war.

Am 01.07.1945 teilten die Alliierten (Frankreich, Großbritannien, UdSSR, USA) dann Deutschland in vier Besatzungszonen ein, Berlin zusätzlich in vier Sektoren. Die A2 als kürzeste Straßenverbindung nach Berlin entwickelte sich als Schwerpunktstrecke für den Transitverkehr, allerdings gab es nunmehr an der Zonengrenze zwischen Helmstedt und Marienborn einen Grenzkontrollpunkt. Vom 24.06.1948 bis 12.05.1949 blieben die Schlagbäume wegen der von den Sowjets verhängten Berlin-Blockade geschlossen. West-Berlin war während dieser Zeit lediglich per Flugzeug zu erreichen.

Nach der Wiederzulassung des Straßenverkehrs von und nach Berlin folgte aber ab 26.05.1952 die verstärkte Abschottung der Deutschen Demokratischen Republik von der Bundesrepublik Deutschland, die Zonengrenze wurde dann auch mit dem politischen Begriff „Eiserner Vorhang“ bezeichnet. Die Ost-Kontrollstelle in Marienborn wurde immer stärker befestigt, besonders nach dem Bau der „Berliner Mauer“ am 13.08.1961.

Die wirtschaftlichen Verhältnisse brachten jedoch eine deutlich Zunahme des Verkehrs und damit den Bedarf zur Verbesserung des Fahrbahnzustandes. Nach dem Neubau der Brücke über die Elbe mit vier Fahrspuren, 1966, folgte in den Jahren 1977/1981 die Grunderneuerung der Fahrbahn mit Aufbringung einer 30 cm dicken Asphaltschicht. Auch fast alle Brücken über die Autobahn und Autobahnbrücken (über Straßen, Wege und Gewässer) wurden erneuert, der Anbau von zusätzlichen Standspuren machte dieses nötig.

Sprunghaft änderte sich jedoch das Verkehrsaufkommen am 09.11.1989. Die am Abend verkündete Reisefreiheit für DDR-Bürger führte noch in der Nacht zu einem ungeahntem Fahrzeugstrom. Die Grenze war offen! Am 30.06.1990 beendete die Grenzübergangsstelle Marienborn ihre Tätigkeit. - Das auf dem Gelände eingerichtete Museum „Gedenkstätte Deutsche Teilung“ in Marienborn informiert über diese Thematik sehr ausführlich.

Nachdem die innerdeutschen Grenze gefallen war, spätestens jedoch mit der Herstellung der Einheit Deutschlands, am 03.10.1990, bekam diese Autobahn ihre hohe Verkehrsbedeutung wieder. Die Erweiterung von bisher vier auf nunmehr sechs Fahrspuren geschah bei Aufrechterhaltung des Verkehrs. Dies als „Verkehrsprojekt Deutsche Einheit, Nr. 11“ geführte Bauvorhaben begann 1993 an der Brücke Nahmitz, zwischen Brandenburg und Dreieck Werder. Bei Wendeburg begannen die Bauarbeiten im April 1995 und waren am 19.06.1998 beendet. Endgültig fertig gestellt war die Baumaßnahme (Hannover bis Berlin) schließlich erst im Juni 2004, als im Bereich Braunschweig-Schwülper alle Fahrspuren dem Verkehr zur Verfügung standen. Der Fahrbahnquerschnitt beträgt 15,25 m pro Richtung (Standspur und drei Fahrspuren), dazu der Mittelstreifen von mindestens 4 m Breite. Mit Seitengräben, Böschungen usw. ergibt sich oftmals eine Gesamtbreite von über fünfzig Meter. Streckenweise begleiten breite Pflanzstreifen die Fahrbahnränder. Insgesamt ist die Autobahn nunmehr auf vielen Streckenabschnitten mit umfangreichen Lärm- und Wildschutzanlagen ausgestattet. Auch gibt es nunmehr viele weit gespannte Autobahnbrücken, um dem Wild ein gefahrloses Unterqueren der sehr stark befahrenen Verkehrsader zu ermöglichen.

Autobahn  BAB 2

Autobahn

Die Erfindung des Automobils, 1886, brachte eine rasante Entwicklung dieser Neuheit. Wenn es auch die anfangs als „Benzinkutschen“ bezeichneten Fahrzeuge von Daimler und Benz waren, die Menschen und Tiere erschreckten, so nahm der bedeutende Fortschritt doch seinen Lauf. Zu der Entwicklung unterschiedlicher Fahrzeugarten - Personenkraftwagen, Omnibusse, Lastkraftwagen, Motorräder und ihrer Beliebtheit - gehörte naturgemäß auch die Herstellung eines leistungsfähigen Straßennetzes. Denn die Bewohner/innen der ländliche Orte waren bis etwa 1850 nahezu selbst versorgend, das wenige sonst notwendige wurde aus der nächsten Stadt geholt. Zwischen den Städten lief auch der Fernhandelsverkehr und das Postwesen.